SAP Disposition – Definition und Aufgaben

SAP Disposition – Aus unserer Erfahrung heraus, gehört die Disposition in SAP ERP zu einer der anspruchsvollsten Aufgaben. Gleichzeitig wird sie aber in der Praxis häufig unterschätzt. Das äußert sich in einer falschen Besetzung der Position des Disponenten, in einer unzureichenden Beachtung während der Einführung und im laufenden Betrieb, bis hin zu einer fehlenden Weiterbildung in diesem Bereich. Selbst erfahrene SAP Berater stoßen im Rahmen einer Einführung und einer Optimierung hier regelmäßig an Ihre Grenzen.

Kunden suchen gerne nach einem einfachen Schalter oder der einen Einstellung, mit deren Hilfe sich diese Aufgabe einfach lösen lässt. Wir müssen Sie an dieser Stelle leider enttäuschen. Eine einfache Lösung werden sie hier nicht finden.

Mit dem vorliegenden Artikel möchten wir Ihnen einen Einstieg in die Welt der Materialdisposition ermöglichen.

Jede noch so lange Reise beginnt mit dem ersten Schritt. Erfahren Sie hier etwas zu den Basisbegriffen und den Grundlagen.

Wir wünschen Ihnen viel Erfolg dabei.

Materialdisposition

Die Hauptaufgabe der Materialdisposition ist die Beschaffung des richtigen Materials in gleichbleibender und vorgeschriebener Qualität, mengenmäßig weder zu früh noch zu spät. Die Materialdisposition soll,

  • durch eine Materialbedarfsplanung
  • und Bestellrechnung
  • optimale Bestellungen
  • und eine ausreichende Lieferbereitschaft zu sichern.

Materialdisposition kann sich auf Einzelteile oder Baugruppen beziehen.

Materialbedarfsplanung nach Gabler

Definition Materialbedarfsplanung (Materials Requirement Planning)

Materialbedarfsplanung ist der Ausweis der in einer Planungsperiode benötigten Materialien nach Art, Menge, Qualität und Zeitstruktur (Sekundär-, Tertiärbedarf). Ziel der Materialbedarfsplanung ist die Realisierung einer kostenoptimalen Materialversorgung; im Optimum ist stets nur so viel Material vorhanden, wie kurzfristig benötigt wird. 

Teilbereiche der Bedarfsplanung 

Bedarfsermittlung:
Gegenüberstellung von Bruttobedarf und Materialbestand zeigt den Beschaffungsbedarf (Nettobedarf) auf

Materialbereitstellungsplanung:
Ermittlung der Bedarfstermine unter Berücksichtigung der jeweiligen Bedarfsstruktur und der Bedingungen auf den Beschaffungsmärkten

Sortimentsplanung:
Substitutionsplanung, Entscheidung Make-or-Buy, Begrenzung der Materialarten

Bedarfsarten in der Materialbedarfsplanung

Bruttobedarf, Nettobedarf, Primärbedarf und Sekundärbedarf

In der Bedarfsplanung unterscheiden Sie zwischen den Bedarfsarten Bruttobedarf, Nettobedarf, Primärbedarf und Sekundärbedarf:

  • Bruttobedarf:
    Die sich aus Kundenaufträgen oder Prognoseaufträgen ergebenden Mengenbedarfe an Erzeugnissen, Halbfertigerzeugnissen und Rohstoffen ohne Berücksichtigung eventuell vorhandener Lagerbestände oder bereits in Zulieferung befindlicher Mengen. 
  • Nettobedarf:
    Ergibt sich aus dem Bruttobedarf abzüglich des verfügbaren Bestandes. Der verfügbare Bestand ist der Saldo aus dem physikalischen Bestand plus Bestellbestand minus Reservierungsbestand. 
  • Primärbedarf:
    Der Primärbedarf umfasst alle fertigen Erzeugnisse bzw. Produkte des Produktsortimentes, die in einer Planungsperiode benötigt werden.
    Der Primärbedarf setzt sich aus dem Marktbedarf an Erzeugnissen und Ersatzteilen zusammen und ist somit der Bedarf der obersten Strukturebene, der einer Vorhersage oder einem konkreten Kundenauftrag entstammt. 
  • Sekundärbedarf:
    Der Sekundärbedarf umfasst alle Bauteile und auch Baugruppen, die zur Herstellung der Produkte benötigt werden. Diese Teile können sowohl selbst gefertigt werden oder auch extern zugekauft werden (Make-or-Buy).
    Der Sekundärbedarf ergibt sich durch die Stücklistenauflösung und ist der Bedarf, der für die Deckung des Primärbedarfs notwendig ist.

Aufgaben der Materialbedarfsplanung

Aufgaben der Materialbedarfsplanung 

  • die Überwachung der Bestände 
  • die Erstellung von Beschaffungsvorschlägen für den Einkauf und die Produktion
  • Auflösung der Stücklisten

Berücksichtigung von 

  • bestmöglicher Lieferbereitschaft 
  • Minimierung der Kosten
  • Minimierung der Kapitalbindung
  • Materialbedarfsplanung/ Disposition = strategische Schaltzentrale für die gesamte Logistikkette im Unternehmen 

Abgrenzung der Bedarfsplanung zur Programmplanung 

Das Produktionsprogramm bildet den Ausgangspunkt für die Materialbedarfsplanung.

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