DSAG Jahreskongress 2026: KI zwischen Goldrausch und Realität

In Köln forderte die Anwendervereinigung von SAP Umsetzbarkeit und Wirtschaftlichkeit statt nur Visionen und Zielbilder

Mit dem diesjährigen Jahreskongress wird die DSAG einen weiteren Besucherrekord erzielt haben: Über 6.000 Interessierte zog es vom 6.- 8. Oktober zur Koelnmesse, wo das Hauptevent der Anwendergemeinschaft zum ersten Mal stattfand. Zum 17. Mal insgesamt und diesmal unter dem Motto „Claim Your Ground. Lead Your Business.“ Im Zentrum stand die Frage, wie Anwenderunternehmen in Zeiten kontinuierlicher Transformation ihren Kurs, ihr Tempo und ihre Prioritäten selbst bestimmen können – und welchen Beitrag sie, SAP und Partner dazu leisten müssen.

Die Botschaft der DSAG: Einordnung statt Euphorie, Nutzen statt Schlagworte

Mit dem Kongressmotto wollte die DSAG technologische Visionen mit einem realistischen Blick auf die konkreten Herausforderungen und Chancen der Anwenderunternehmen verbinden. „Es geht um Einordnung statt Euphorie, Nutzenbewertung statt Schlagworten und Problemlösungen statt blindem Aktionismus. Unternehmen müssen ihren Gestaltungs- und Handlungsspielraum bewusst definieren und Investitionen gezielt ausrichten“, so Jens Hungershausen, DSAG-Vorstandsvorsitzender. Für ihn war es gleichzeitig die letzte Veranstaltung ihrer Art in seiner bisherigen Position. Als sein Nachfolger wurde am 7.10. Thomas Henzler gewählt.

Auf seiner Keynote forderte Hungershausen: „Investitionsentscheidungen dürften sich nicht allein an Visionen und angekündigten Zielbildern orientieren. Entscheidend sind Umsetzbarkeit, Wirtschaftlichkeit, Integrationsfähigkeit und ein nachweisbarer Nutzen für das jeweilige Geschäftsmodell.“

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Komplexität bremst Innovation – S/4HANA On-Premises bleibt der Alltag

Beim Gang durch die zwei Messehallen und im Gespräch mit Ausstellerfirmen bestätigte sich diese Einschätzung. SAP-Kunden treibt gegenwärtig vor allem um, dass sie parallel S/4HANA-, Cloud-, KI- oder Modernisierungsprojekte stemmen muss, und dies in einem zunehmend komplexen, dynamischen und von Unsicherheiten geprägten Umfeld. Sie haben ein Komplexitäts- und damit ein Innovationsproblem. Genau deshalb ist die Mehrheit der Anwenderunternehmen schlichtweg noch nicht soweit, SAPs Innovationstempo mitzugehen. Die Transformation erfordert zudem erhebliche Investitionen. Entscheidend ist daher, dass diesen ein klar nachvollziehbarer geschäftlicher Mehrwert gegenübersteht und sie langfristig zu Innovation, Prozessharmonisierung und digitaler Wettbewerbsfähigkeit beitragen.

SAP-Bühne auf dem DSAG Jahreskongress 2026 in Köln: Session zu digitaler Souveränität mit Cloud und KI

54 Prozent setzen noch immer SAP ECC/ERP ein, dies bestätigte zuletzt der DSAG-Investitionsreport. Auch beim Betriebsmodell entscheidet sich eine knappe Mehrheit für On-premises-Betrieb, wenngleich der Anteil der Private-Cloud-Kunden steigt. Die Public Cloud ist bei S/4-Transformationen hingegen noch untergeordnet. S/4HANA on-prem und hybride Architekturen sind der gegenwärtige Alltag, ob es SAP gefällt oder nicht. Genau auf diesen Ausgangszustand zielten die Ausstellerfirmen daher mit ihren Messebotschaften ab.

SAP kündigt Joule-Agenten an – die DSAG fordert KI auch für On-Premises

Thomas Pfiester, Head of Customer Engagement & Adoption und Mitglied des Extended Board der SAP SE, kündigte auf dem DSAG Jahreskongress an, bis Ende 2026 50 Assistenten mit 200 Agenten zur Verfügung stellen zu wollen, orchestriert über Joule als neuer Interaktionsebene. „Cloud ERP ist die Basis, KI der Motor“, so SAPs Credo. Wichtigste Fragen seien dabei derzeit, wie man Assistenten und Agenten in einer sicheren Umgebung laufen lassen kann und wie sich beide über Unternehmensbereiche hinaus skalieren lassen. Dies scheint derzeit in der Tat ein Bremsklotz zu sein, denn nur 16 Prozent der KI-Initiativen wurden bislang unternehmensweit skaliert und nur 25 Prozent erwirtschafteten die erwartete Kapitalrendite, so zitierte Pfiester auf seiner Keynote in Köln eine IBM-Studie.

Die DSAG hatte im Vorfeld des Jahreskongresses in diesem Zusammenhang gefordert, dass wesentliche Innovationen auch für S/4HANA-On-Premises-Kunden verfügbar sein müssen und nicht ausschließlich an kommerzielle Cloud-Verträge gebunden werden dürfen. Als ein wichtiger, wenn auch nur erster Schritt wurde daher die bei der SAP Sapphire 2026 angekündigte Bereitstellung ausgewählter und technisch umsetzbarer KI-Szenarien für SAP-ECC- beziehungsweise S/4HANA-On-Premises-Kunden im Rahmen von RISE with SAP oder GROW with SAP begrüßt.

Frank Zscheile

Frank Zscheile

Journalist

Technisch komplexe Sachverhalte brauchen eine klare, zielgruppengerechte Sprache